Neuer Text

Neues Stadtwappen

Wie Horst Schlesinger zu seinem Eber kam


Der Jubiläums-Bürgermeister bestellte für 1977 ein neues Stadtwappen - Bericht im neuen Geschichtsblatt
Das neue Stadtwappen ab  dem Jubiläumsjahr 1977.

September 2018
Von Rainer Hofmeyer

Das sind Entscheidungen für Jahrhunderte. Wenn man weiß, dass in vielen, vielen Jahren noch darüber gesprochen wird, wann und wie die Stadt ein neues Wappen bekommen hat, dann packt man das Projekt gleich noch mutiger an. Schließlich sind Eberbacher Siegel mit dem städtischen Wappentier bis 1387 zurück heute noch verfügbar. Von 1542 ist noch eines da, von 1655 auch. Und so wusste der junge dynamische Bürgermeister Horst Schlesinger 1975 auch, dass einmal sein neuer Eber in die Stadtgeschichte eingehen wird. Es mag vielleicht keine Absicht sein, aber wenn die Story vom erneuerten Wappen 45 Jahre nach Schlesingers Kreation sogar noch Eingang in ein Eberbacher Geschichtsblatt gefunden hat, geht sie auch in die städtische Ewigkeit ein. 

2018 so geschehen im aktuellen „Eberbacher Geschichtsblatt“. Den Artikel vom „Eber im Stadtwappen“, geschrieben von Stadtarchivar Dr. Rüdiger Lenz, rundet Horst Schlesingers Erlebnisbericht ab: „Armin Stähle und der Jubiläumseber“. Könnte auch heißen: Ich und das neue Stadtwappen. Gerade mal drei Jahre im Amt, beglückte die Stadtgeschichte den Rathauschef 1975 mit einer großen Aufgabe: Die 750-Jahr-Feier 1977 stand an. Schlesingers „Idee“: Mit einem neu gestalteten Wappentier sollte es ins Jubiläumsjahr gehen. Edel daher laufend, „anders als alle seine Vorgänger“. In der Tat konnte man die Gestalten der früheren Wappentiere oft erst dann zuordnen, wenn man den Namen Eberbach mitlas oder wusste, woher das Siegel stammte.

Dass das neue Wahrzeichen „sprechen“ musste, war von Anfang an klar für Schlesinger, auch wenn ein Tier aus der Gattung Schwein nicht gerade ein Symbol für Macht, Mut, Weitblick und Kraft darstellt. Aber, mit einem Adler, Löwen oder springenden Hirsch konnte Eberbach nicht dienen. Anders zum Beispiel Städte oder Gemeinden, auch im Umkreis, die solche Herrschaftszeichen schon früher in ihr Emblem aufgenommen hatten.

Sprechendes Wappen: Schließlich setzt sich aus dem Borstentier und dem Wasser auch der Name der Stadt zusammen: Eber-Bach. Der heutige Holderbach hieß im 19. Jahrhundert sogar noch „Eberbach“. Wahrscheinlich hat sich so auch der Name der Ansiedlung entwickelt. Schlesinger kam um den über den Bach rennenden Eber nicht herum und auch nicht an den Stadtfarben Blau-Weiß vorbei.

Eberbacher sind Lokalpatrioten - zumindest zu Schlesingers Zeiten gewesen. So gut wie jedes Haus in der Altstadt hatte seine blau-weiße Fahne für alle Anlässe. Und in der Gemeinde tummelten sich die unterschiedlichsten Wappen-Eber. Eine einheitliche Festlegung gab es nicht, der Standard fehlte. Mal wurde ein Ehrenring mit dem alten Wappen von 1387 verliehen, mal gab es ein abweichendes Wappen auf den Briefstempeln der Stadtverwaltung oder auf den Ärmelabzeichen der städtischen Bediensteten bis hin zur Feuerwehr.

Horst Schlesinger griff durch. Ein Wappen für alle Fälle. Aber eines, das gefallen soll. Doch vor allen Bemühungen steht die Heraldik. Individuelle Gestaltung ist schon möglich. Am Ende muss sogar das Plazet des Generallandesarchivs vorliegen. Dem Künstler seien keine Grenzen gesetzt, solange der Eber noch als solcher erkennbar ist, wurde dem Eberbacher Rathaus signalisiert.

„Künstler“ - das Stichwort für Bürgermeister Horst Schlesinger. Zwar noch nicht allzu lange im Amt, hatte er in einer Sitzung des Kulturausschusses die Bekanntschaft des Kunstmalers und Grafikers Armin Stähle gemacht. Der damals im Gässel lebende Stähle erklärte sich bereit, seinen Entwurf des künftigen Stadtwappens vorzustellen. Das nahm dann bei einem sonntäglichen Treffen in Schlesingers Dienstvilla in der Friedrich-Ebert-Straße erste Gestalt an. Schlesinger äußert sich noch heute erfreut über die Skizze, die ihm da in kreativer Runde vorgelegt wurde. Stähle schaffte am Ende ein meisterliches Bild, heraldisch einwandfrei und auch ansehnlich. Feinheiten mussten auch beachtet werden: Das Borstentier sollte etwa in allen Größendarstellungen auch als solches noch zu erkennen sein. 

Am 2. November 1976 gefiel der neue, fertige Eber mit seinem blauen Bach und dem schlichten Wappenschild auch dem Gemeinderat. Und schon ein paar Tage danach hielt Horst Schlesinger die Zustimmung des Generallandesarchivs in Händen. Gerade noch rechtzeitig für das Jubiläumsjahr. Seither haben sich auch die vielen privaten Wappen mit dem Eber in Eberbach auf ein Motiv reduziert. Das Gesamtbild ist so schlicht und doch so treffend, dass sich der jetzige Bürgermeister für die 800-Jahr-Feier 2027 keine großen Gedanken machen muss - zumindest nicht die Gedanken um ein neues redendes Stadtwappen.

Info. Eberbacher Geschichtsblatt 2018. Buchhandlungen, 11 Euro 


Das Wappen von 1387.

Nachts an der Bundesstraße.

Horst Schlesinger - hier noch im Thalheim'schen Haus.

Armin Stähle zeichnete den neuen Eber.
Foto/Repros: Rainer Hofmeyer
Share by: